Eichenprozessionsspinner im Landkreis Lüchow-Dannenberg

28. Juni 2010 in Lokales

Eichen-Prozessionsspinner im Landkreis Lüchow-Dannenberg

Raupenhüllen im Gespinnstnest - Eichenprozessionsspinner im Landkreis Lüchow-Dannenberg

Gesperrte, besiedelte Eiche - Eichenprozessionsspinner im Landkreis Lüchow-Dannenberg

Gesperrte, besiedelte Eiche - Eichenprozessionsspinner im Landkreis Lüchow-Dannenberg

Eichenprozessionsspinner- ein guter Grund für einen Umweg

Vor ein paar Tagen hatte mich Ute noch gefragt, ob ich etwas über den Eichenprozessionsspinner wüsste. Ein Glück nicht, dachte ich, hatte ich doch mit dem Eichenprozessionsspinner (und natürlich auch dem Kiefernprozessionsspinner) bisher keinen unangenehmen Kontakt gehabt. Was ich irgendwann mal gelesen hatte war bereits ziemlich verblasst und so wusste ich nur noch, dass ein Kontakt mit den Brennhaaren der Prozessionsspinner sehr unangenehm werden kann. Ute verglich ihre Erfahrung – die Sie kurz zuvor gemacht hatte – wie ein Kontakt mit Glaswolle. Seit gestern weiß ich, das dieser Vergleich sehr treffend ist. Dabei hatten wir noch Glück gehabt! Bei schwerem Kontakt kann eine Raupendermatitis entstehen, die sich über Hautrötungen, kleineren Pusteln bis größere Quaddeln (sog. Papeln) zeigen kann. Werden die Brennhaare vielleicht sogar eingeatmet, sind Reizungen an den Mund- und Nasenschleimhäuten nicht ausgeschlossen, die sogar Bronchitis und Asthma auslösen können. Es entstehen Symptome einer Pseudoallergie, die manchmal von Schwindel, Abgeschlagenheit und fiebrigen Schüben begleitet wird. In absolut seltensten Fällen wurden auch schon allergische Schockreaktionen beobachtet.

Grund zur Panik besteht allerdings nicht! Das Krankheitsbidl bzw. das Vergiftungsbild ist weit bekannt und meistens mit leichten Kortisolpräparaten gut behandelbar. Ein Hinweis an den Arzt oder Apotheker, dass man mit dem Eichenprozessionsspinner in Kontakt kam, mag den Behandlungserfolg etwas beschleunigen.

Zur Biologie und zum Problem

Übrigens alle Arten der Prozessionsspinner verfügen über Brennhaare. Aber dort wo es nicht zu Massenvermehrungen kommt ist wohl nur der Eichenprozessionsspinner ein Fall für den behördlichen Gesundheitsschutz.
Der Eichenprozessionsspinner ist ein kleiner bis mittelgroßer, unscheinbarer, graubrauner Nachtfalter. Meistens werden randständige, besonnte Bäume (Alleen, Parks, Waldränder) oder Einzelbäume besiedelt. Der ausgewachsene Falter ist kein Problem (also ungefährlich) auch die ersten beiden Larvenstadien sind noch unproblematisch. Erst das 3. Larvenstadium, das im Mai bis Juni vorkommt, hat die für uns Menschen gefährlichen Brennhaare. Dummerweise sind die Brennhaare klein, sehr fein (also fast unsichtbar) und haben wirkungsvolle Widerhaken. Das Gift Thaumetopoin, das praktischerweise so heißt wie der Eichenprozessionsspinner (lat. Thaumetopoea processionea) ist sehr langlebig und kann auch in abgebrochenen Brennhaaren selbst noch nach Jahren wirksam sein. Und hier liegt auch die Tücke des Objekts! Denn obwohl die Raupen jetzt Mitte Juli schon längst durch sind, kann man – so wie ich gestern – durch windverdriftete Brennhaare bedroht werden. Deshalb werden die Behörden i.d.R. auch tätig. Es sei übrigens dringend davon abgeraten die Kolonien oder Gespinste in Eigenregie zu behandeln. Fachleute in Schutzanzügen bekämpfen die Eigelege mit Insektiziden und Raupenkolonien werden am Abend abgetragen, z.B. wenn sich die Raupen in ihre sicheren Gespinstnester zurückgezogen haben. Auch werden die Reste der Gespinste mit gehäuteten Larvenhüllen und ihren nicht mindergiftigen Brennhaaren meistens abgeflämmt (was aus Gründen der Waldbrandgefahr auch nicht immer zeitnah erledigt werden darf).

Tipps für (k)eine Begegnung

- befallene Gebiete bzw.  Einzelbäume meiden (meistens werden Eichen, sobald ein Befall erkannt wurde markiert, i.d.R. wird dann auch zeitnah bekämpft)
- sofern möglich nehmen Sie einen kleinen Umweg in Kauf
- falls ein Umweg nicht in Frage kommt, sollten Sie möglichst keine ungeschützten Körperpartien anbieten (häufig sind Oberarme, Nacken und Gesicht betroffen)
- nach einem Kontakt sollte die kontaminierte Kleidung gewechselt und separat gewaschen werden
- nach einem Kontakt sollte gründlich geduscht werden, insbesondere Haare gründlich waschen, denn die Brennhaare bleiben gerne mal haften
- in der Folgezeit kann es über Neukontakt mit den verschleppten Brennhaaren immer wieder zu Reaktionen kommen. Leider wird der Kontakt oft erst am nächsten Tag bemerkt, oft ist die Bettwäsche (Kopfkissen) dann die Quelle des neuerlichen Übels
- eine erste Linderung (sofern man nicht empfindlich ist) kann eine Behandlung der betroffenen Stellen mit Essigwasser verschaffen
- leichte Kortisolpräparate sind i.d.R. bei mäßiger Ausprägung der Reizung angezeigt (Fragen Sie aber auf jeden Fall ihren Arzt oder Apotheker)
- bei schweren Reizungen sollte auf jeden Fall mit dem Hausarzt gesprochen werden

In jedem Fall kann eine Meldung an das Ordnungsamt dazu beitragen eine zukünftige Gefährdung einzudämmen.

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