Ein eigenes Reich – Pilze in Kamerun

11. August 2011 in Lokales, Wandern

Grüner Knollenblätterpilz

Grüner Knollenblätterpilz

Es ist Pilzzeit im Land Kamerun. In diesen Tagen, jetzt wo der Regen ergiebig ist, nach einem langen warmen Frühsommer, sprießen die Pilze. So schnell, man könnte meinen, sie schießen einem zwischen den Beinen hoch, während man durch die Landschaft flaniert. Pilze sind sicher etwas für mutige Feinschmecker, zu mindestens der eine oder andere Pilz. In jedem Fall sind Pilze etwas für Ästheten. Es gibt keine Schrulligkeit, die ein Pilz nicht in Petto hätte. Der übel nach Hering riechende Heringstäubling wandelt sich zu einem wohlschmeckenden Speisepilz, während der Stachelbeertäubling sich als wohlriechendes, giftiges Biest entpuppt.

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich bin kein Pilzfachmann. Ich würde keiner Pilzpfanne, mit von mir selbst gesammelten Mischpilzen über den Weg trauen. Und die Weisheiten, die ich über Pilze mitbekommen habe, sind Volksweisheiten, über die ich heute schmunzeln kann. So kann ich keine Pilzexkursion beginnen, ohne folgendes Zitat von Mama zu rekapitulieren: „Erst ging s’e in d’e Pilze, jetzt stillt s’e.“ Aber diese Aussage bringt uns schon auf den Punkt. Pilze sollen Spaß machen! Beim Pilze suchen ist der Weg das Ziel. Ich selbst würde mich als Pilzjäger bezeichnen, denn auf der Pirsch bin ich nicht enttäuscht, falls ich statt des edlen Steinpilzes dem schönen aber ungenießbaren Samtfußkrempling begegne.

Jage das nächste Mal doch selbst nach Pilzen. Was brauchst du dafür? Grundsätzlich natürlich die Bereitschaft einen Waldspaziergang um den Aspekt des Abenteuers zu erweitern. Gleichfalls solltest du bereit sein ausgetretene Pfade zu verlassen, um ein unbekanntes Reich zu betreten, den Blickwinkel zu verändern, mit Händen und Füßen im Moder zu wühlen und dich ggf. auf das Niveau eines Giftmörders herab zu lassen.

Falls du das beherzigst bist du deinen ursprünglichen Instinkten auf der Spur. Die sinnlichen Erfahrungen mit einer unmittelbaren, natürlichen Umwelt sind uns so nah, liegen uns so tief in den Genen, dass wir, wenn wir uns diesen Reizen hingeben, eine unbeschreibliche Erholungsdusche bekommen. Die Suche nach etwas schärft die Sinne, die linke und rechte Gehirnhälfte geben sich die Hand und die Kreativität wächst. Das unterschwellig Unbekannte stärkt unser Immunsystem. Im Fokus der Suche sinken Blutdruck und Atemfrequenz und beim Finden wird das Belohnungszentrum angesprochen. Unser Selbstbewusstsein wird gestärkt. In einem Wort: Glück! Das ist doch toll, schon auf der Suche nach dem Fliegenpilz wird man zum Glückspilz.

Das Reich der Pilze ist riesig und wer seine Bewohner kennen lernen möchte, kann manchmal an der schieren Menge verzweifeln. Wer sich als Anfänger den Fruchtkörpern kulinarisch nähert, wird manchmal von den Täuschungen der Pilze enttäuscht. Pilze und ihre giftigen Doppelgänger sind ein Thema. Machen wir aber den ersten Schritt vor dem zweiten. Wer Pilze nur nach Essbarkeit bewertet entzieht sich ihrer grundsätzlichen Schönheit. Wonach bemisst sich eigentlich der Wert eines Pfifferlings? Tipp 1: Lasse dich auf Pilze ein und begegne ihnen unvoreingenommen. Mit der Zeit kann selbst der supergiftige grüne Knollenblätterpilz zu einem guten Bekannten werden, den man gerne trifft. Tipp 2: Erforsche einen Pilz mit all seinen Merkmalen. Nehme einen Kandidaten mit nach Hause. Behandel ihn wie einen Gast und lerne ihn kennen. Oder anders gesagt: Versuche diesen einen Pilz sicher zu bestimmen. Ich verspreche dir, wenn du ihm das nächste Mal im Wald begegnest, wirst du dich darüber freuen. Jedenfalls ist das bei mir so. Tipp 3: Nehme deine Verantwortung wahr. Meistens ist es befriedigender einen Pilz stehen zu lassen, als ihn abzupflücken oder umzutreten.

Hier nun ein paar Fundstücke. Denkt daran – irren ist menschlich, falls du mehr weißt schreibe bitte einen Kommentar. Die meisten Pilze habe ich in der letzten Augustwoche gefunden. Vielleicht machen sie Euch Appetit auf die eigene Pilzjagd:

SpeisetäublingBlaualgeZiegenlippe
SpeisetäublingBlaualge (also kein Pilz!)Ziegenlippe
Wasserfleckiger TrichterlingKeulenfüßiger TrichterlingRotfußöhrling
Wasserfleckiger TrichterlingKeulenfüßiger TrichterlingRotfußöhrling
FrauentäublingGrüner KnollenblätterpilzFliegenpilz
Frauentäubling (grüne Variante)Grüner KnollenblätterpilzFliegenpilz
BeutelstäublingBirkenmilchlingPfifferling
BeutelstäublingBirkenmilchlingPfifferling
Falscher PfifferlingKahler KremplingSamtfußkrempling
Falscher PfifferlingKahler KremplingSamtfußkrempling
Klebriger HörnlingGelbe LohblütePfefferröhrling
Klebriger HörnlingGelbe LohblütePfefferröhrling
BirkenröhrlingAnisegerlingSteinpilz
BirkenröhrlingAnisegerlingSteinpilz
ParasolGlockendüngerlingRitterling
Junger ParasolGlockendüngerlingRitterling

An alle Pilzsammler, Pilzjäger und Waldspaziergänger, ich weiß zu wenig von der Natur, um nicht von Ihr begeistert zu sein und ich weiß zu viel über die Natur, um mich Ihrer Faszination zu entziehen. Falls es Euch auch so geht, würde mich über Kommentare, Erfahrungsberichte, Pilzfunde u.s.w. sehr freuen.

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8 responses to Ein eigenes Reich – Pilze in Kamerun

  1. Mit dem Bericht hast Du Dir aber viel Mühe gegeben !!


    Vielen Dank für die Blumen :-)
    Liveoak

  2. ja, sehr viel

  3. Wir haben letztends auf dem Eselausritt auch ein Pilz entdeckt!!!


    Welchen denn, wie sah er aus?
    Liveoak

  4. Hut ab vor diesem Bericht! Und wo stehen die Steinpilze????


    Steinpilze stehen grundsätzlich dann und dort, wenn und wo man keine Pilze suchen wollte! Diesen hier habe ich unter Eichen gefunden und ein bischen Nadelholz war auch dabei genauer gesagt von Sarenseck querfeldein Richtung Hitzacker. Der Steinpilz ist schon ein schöner Pilz. Übrigens kann man unter Kiefern auch den Kiefernsteinpilz (also den mit der rötlicheren Kappe) finden. Um Steinpilze zu finden sollte man auf keinen Fall nach ihnen suchen.
    Liveoak

  5. Der Bericht ist super.
    Aber in diesem Jahr gibt es einen neuen Giftpilz in unserer Region, der aussieht wie ein Wiesenchampignon, aber gelb wird, wenn man das Hüten rubbelt!
    Also nur fette Hennen und bekannte sammeln und champignons links liegen lassen.


    Ja da sprichst du etwas grundsätzliches an. Wer Pilze essen möchte und lebensfroh ist, sollte keine Giftpilze für die Mahlzeit sammeln. Um einen Pilz zu Hause zu bestimmen darf man natürlich auch mal einen Giftpilz sammeln :-) Anfassen, riechen und sogar schmecken sind unproblematisch. Ja, selbst der Geschmack ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal (auf runterschlucken bitte verzichten). Zu den Champignons und Egerlingen möchte ich noch anmerken: Champignons haben nie rein weiße Lamellen (sondern eher rosa, schokobraun bis dunkelbraun). Auch die Verfärbung bei Verletzung ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal. In der Gruppe der rötenden Champignons/Egerling sind alle ungiftig. Bei den Gilbenden finden sich auch giftige. Aber der hier oben abgebildete Anisegering, der auch gilbt, ist sogar ein guter Speisepilz. Was lernen wir daraus? Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich! Ein sehr guter Rat!

    Weißt du mehr über diesen neuen Pilz?
    Liveoak

  6. Toll geschriebener Artikel. Mitte der 80er war ich als Kind zweimal in Kamerun zum Reiturlaub mit meiner Familie. Hab viele schöne Erinnerungen daran. Auch an das Heidelbeeren pflücken und das Pilze sammeln.

  7. Habe mit Deinem Rat Mitte September in Lüchow/Trebel einige Steinpilze gefunden.

  8. Ich war mit Bärbel Gassi und wir sind quasi drüber gestolpert. Leider musste ich sie an Ort und Stelle lassen.

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