Von Hundeflüsterern, Blechnäpfen und diversen Ausbildungsmethoden

Februar 8, 2013 in Familien & Juniorclub, Hundeschule von Juliane Raab

bilder-aus-der-hundeschuleImmer wieder fragen Kunden, was ich vom “Hundeflüsterer” (Cesar Milan) oder dem Trainer Martin Rütter halte, die beide ihre Fähigkeiten im Fernsehprogramm zum Besten geben. Zunächst einmal führen immer(!) mehrere Wege zum Ziel! Die eine, ultimative Ausbildungsmethode gibt es nicht. Jeder sollte für sich und seinen Hund entscheiden, welches der richtige Weg ist und vor allem jegliche Strafmaßnahmen, die er seinem Hund antut, kritisch hinterfragen und immer gründlich überlegen, ob es keine erfreulichere Alternative für den Vierbeiner gibt! Während der “Hundeflüsterer” charmant in die Kamera lächelt und behauptet, seine “Führungsqualitäten” brächten ihm quasi von allein wohlerzogene Hunde, setzt er dennoch gewaltsame Methoden, wie Stachelhalsbänder und Fußtritte ein. Auch Michael Grewe, ein bekannter Hundeausbilder, der sich immer wieder öffentlich über Hundetrainer lustig macht, die überwiegend mit freundlichen Ausbildungsmethoden arbeiten, ist jetzt endlich stark in die Kritik geraten. Ups, da hatte doch ein Seminarteilnehmer gefilmt, wie unter Herrn Grewes Anleitung, ein junger Mann einem (angeblich äußerst bissigen) Schäferhund, kräftig mit einer Blechschüssel ins Gesicht schlägt und damit große Empörung ausgelöst. Laut Herrn Grewes Stellungnahme zu dieser Aufzeichnung, ist das die einzige Möglichkeit, aggressive Hunde zu resozialisieren. Herr Grewe bildet seit Jahren Hundetrainer aus und erfreut sich einer großen Anzahl von Personen, die seine Ausbildungsmethoden übernehmen und weiter geben. Merkwürdig ist nur, dass zahlreiche namenhafte Trainer und Ausbilder weitaus bessere Erfolge, mit positiver Verstärkung haben. Woran liegt es also, dass so viele Hundehalter ihren Verstand ausblenden und zu gewaltsamen Trainingsmethoden greifen? Vermarkten die “guten” Ausbilder ihre Erfolge nicht so geschickt? Ist es die Hoffnung auf schnellen Erfolg, der eine Hundehalterin seelenruhig dabei zuschauen lässt, wie ein Ausbilder ihrem Hund mit einer Blechschüssel ins Gesicht schlägt? Ist es halt einfacher, seinen angeblich so geliebten Vierbeiner, plötzlich mit Sprayhalsband oder Klapperbüchsen zu malträtieren, als wochenlang zu trainieren?

Fakt ist, dass es Zeit braucht, um unerwünschtes Verhalten mit gewaltfreien Methoden abzutrainieren. Möglich ist es, bis auf wenige Ausnahmen, jedoch immer! Mein Eindruck ist, dass viele Hundehalter schlichtweg zu faul sind, über mehrere Wochen intensiv mit ihrem Hund zu üben, üben, üben. Oder sie schaffen es nicht, die nötige Konsequenz aufzubringen. Tierbesitzer verlangen daher oftmals nach Methoden, die bestenfalls nach einmaliger Anwendung,  das Problem beseitigen. Denn einen braven Hund haben will wohl jeder, aber  Zeit, Zeit und nochmal Zeit investieren will dagegen kaum jemand…

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