Wildpferde in Kamerun

2. Februar 2010 in Lokales, Pferdesport

Wildpferde in Kamerun

Wildpferde in Kamerun

Von Hildegard Meyer -
Eine Geschichte aus Kamerun:
Hallo liebe Kameruner, ich
muss Euch etwas erzählen,
was ich neulich bei Euch
erlebt habe. Unverdrossen
sitze ich auf der Bank auf
einer Lichtung im Biotop und
lese mein Lieblingsbuch „Der
Pferdeflüsterer“. Das mache ich
immer so, wenn ich in Kamerun
bin. Ich sitze also so auf meiner
Lieblingsbank, direkt vor
mir der Teich – die Frösche
haben gelaicht und es wimmelt
nur so von Kaulquappen.
Einige Frösche quaken. Rechts
von mir ist dichter Wald mit
Unterholz. Links und hinter mir
Wiesen, Blüten und Sträucher.
Die Sonne scheint, es ist warm,
die Vögel zwitschern um die
Wette – die Welt ist so richtig in
Ordnung.
Doch plötzlich erschüttert
ein Warnruf eines Vogels die
Umgebung, eine Gruppe von
Vögeln flattert in Panik auf. Ich
denk mir so – naja ein Löwe im
Unterholz wird es schon nicht
sein – ich bin ja nicht in Afrika
– sondern in KAMERUN ( Ha,
Ha)
Ich vertiefe mich wieder in mein
Buch. Doch irgendetwas war
anders. Die Frösche quaken
nicht mehr – und die Vögel
hörten auf zu singen.
Es läuft mir kalt den Rücken
hinunter. Ich kann ganz deutlich
eine Bodenerschütterung
spüren. Was ist da bloß los?
Ich steh auf. Ich rufe „Hallo, ist
da jemand?“ – keine Antwort!
Es knackt im Unterholz. Ein
Schnauben. Ein Augenpaar
blitzt aus dem Dunkel des
Unterholzes. Ich bin überwältigt,
aufgeregt, habe Angst,
und bin neugierig zugleich. Was
ist das?
Wieder ein Schnauben und noch
mehr. Es scheint so als wäre
es eine Antwort auf das erste
Schnauben. Dann kann ich eine
ganz deutliche Bewegung im
Unterholz erkennen. Etwas
Großes, Braunes kommt
langsam aus dem Dickicht auf
die Lichtung zu, auf der ich
sitze. Ich sehe zwei schöne,
große, dunkle Augen, die mich
aufmerksam beobachten.
Mit einem Mal wird mir klar
– natürlich – ein Pferd. Aber
es sind noch mehr. Eine ganze
Herde. Meine Spannung
löst sich und Glückgefühle
machen sich breit. Wie in
einer Wildpferdeherde geht
vorneweg das Leittier und prüft
ob alles in Ordnung ist. Dann
erst kommt die ganze Herde
hinterher. Dieser Anblick dieser
schönen Tiere, die sich fast wie
Wildpferde in der Herde verhalten,
ist wunderschön.
Von jedem Mitglied der Herde
werde ich aufmerksam beachtet.
Die Pferde gehen direkt an
mir vorbei, nehmen Witterung
auf und beäugen mich. Dann
kehrt Ruhe in die Herde ein. Es
scheint fast so, als ob sie mich
schon nach so kurzer Zeit als
ein Teil ihrer Herde akzeptieren
würden.
Die Ruhe und Geborgenheit,
die so eine Herde ausstrahlt ist
unbeschreiblich. Ich beobachte,
dass die Pferde besonders an
dem saftigen Gras und Schilf
direkt am Teichufer interessiert
sind. Langsam ziehen sie weiter.
Ich bleibe zurück, schließe
die Augen und bin einfach nur
glücklich.
Jetzt bin ich wieder zu Hause,
im Büro. Aber wenn ich die
Augen schließe bin ich noch
immer in Kamerun bei meinen
Wildpferden.
Eure Hildegard Meyer

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